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Sagen Sie es mit Herzen

Was ist quadratisch und inspiriert Künstler? Genau: Auch Plattenhüllen sind Kunstobjekte, wie zum Beispiel die des Motorradfahrers und Pop-Malers der 60er Jahre Billy Al Bengston. /// Dieser Artikel wurde in DADI no5, April 2013 veröffentlicht.

Eine vom Motorrad ausgehende Kunstgeschichte ist noch zu schreiben. Darin wäre die Rede von Biker-Künstlern (Olivier Mosset, Steven Parrino, Lawrence Weiner, John McCraken) und natürlich auch von den «Girlfriends» von Richard Prince. Und eben von den Anhängern von Finish Fetish, dessen schillernder Leader der halbprofessionnelle Motorradrennfahrer Billy Al Bengston war. Er entwarf im Jahr 2000 die nicht gerade rebellischen Covers für drei Platten von Harold Budd & Clive Wright. Eine Art «In Love»-Variante der Hommage an die quadratischen Bilder von Joseph Albers.
Früher enthielt Billy Al Bengstons Malerei keine Herzen. Geboren wurde er 1934 in Dodge City, der Stadt der Autos und dem Geburtsort von Dennis Hopper, und seit Ende der 50er Jahre waren seine wichtigsten Motive der militärische Winkel (in der Reihe Dentos) sowie die Umrisse einer Iris wie in Dracula, wo der Schatten einer Blume das Bild eines Vampirs mit im Wind wehendem Cape evoziert. Er malte diese Motive stets in die Mitte seiner Bilder und umgab sie entweder mit einer goldenen Aura oder stellte sie in eine Zielscheibe, was an die Bilder von Kenneth Noland erinnert. Bengston nahm an der letztjährigen Biennale von Venedig an «Venice in Venice» teil, einer Ausstellung über die Westcoast-Kunst der 60er Jahre. Er zeigte dort zwei wie Ducati-Motorräder aufgemachte Gondeln, versehen mit seinem Motiv der Unteroffizierstreifen.
Billy Al Bengston verliess Kansas Ende der 50er Jahre und studierte in Los Angeles Kunst. Er hatte einen grossen Einfluss auf die Ästhetik dieser Region, in der die Künstler inspiriert waren von der im Meer endenden Weite, von den die Wüste durchquerenden Autobahnen, dem permanenten Sonnenschein und von allem, was gleitet (Surf) und auf Rädern fährt (Motorräder und Autos). Bengston malte Bilder zwischen Op- und Pop-Art und wandte die Techniken des Automobil-Customizing auf die All Over-Malerei an. Seine Werke besitzen die glänzende Oberfläche des im Ofen gebranntem Lacks, der aufgesprayten Farben und dem poliertem Aluminium. New York hat seine Minimalisten, Venice den Finish Fetish. Bengstons Werke verkauft die von Edward Kienholz mitbegründete Ferus Gallery. Sie vertritt auch Larry Bell und Ed Rusha, die dort zum ersten Mal ausstellten, und zeigte 1962 als Erste Andy Warhols Campbell Soup in Kalifornien. Gerne würde man für den damaligen Bilderpreis von 100 Dollar das Rad der Zeit zurückdrehen.

AUTOREN: FRANCIS BAUDEVIN
& EMMANUEL GRANDJEAN

DADI Daily
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