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Florian Hauswirth - Biel

Sie kommen aus der Schweiz, der Slowakei, aus Frankreich, Belgien oder Schweden. Einige sind bereits international bekannt, andere machen sich gerade einen Namen. Manche treten kollektiv auf und wieder andere treiben ihre Karriere solo vorwärts. Alle aber haben etwas gemeinsam: Sie sind Designer und entwerfen als Reaktion auf die kommerzielle Übersättigung Objekte, die ihr Anliegen exakt auf den Punkt bringen, ganz nach dem Motto «weniger ist mehr». Diese neue Generation achtet auf eine sorgfältige und qualitativ hochwertige Produktion, indem sie handwerkliches Können und 100% schweizerische Herstellung bevorzugt. Wir haben zehn dieser jungen Talente besucht. Zehn Designer aus der deutschen und der französischen Schweiz, die uns mehr über ihre Projekte, ihre Inspirationsquellen, ihre Ideen und auch über die Schwierigkeit, diese umzusetzen, erzählen. /// Dieser Artikel wurde in DADI no1, März 2012 veröffentlicht.

«Take Your Pleasures Seriously», sagte Charles Eames und Florian Hauswirth findet das auch. «Das ist das, was ich meinen Studenten an der Kunsthochschule Kassel und anderen als Workshopleiter mitgebe und was ich auch selber leben möchte», sagt er. «Ich versuche, die richtigen Fragen zu stellen und gezielt auszuprobieren, aber auch frei und spontan vorzugehen. Und ich möchte immer mit Freude bei der Sache sein. Mich interessierte schon immer, wie Dinge funktionieren. Deshalb habe ich eine Lehre zum technischen Modellbauer gemacht und danach im Modell- und Prototypenbau bei Vitra gearbeitet. So kam ich zum Design.» Mit Leuten zu sprechen und Fragen zu stellen sind andere Aspekte, die Hauswirth als für seinen Beruf essentiell betrachtet: «Beim Entwerfen bin ich immer auf Informationen und Tipps ganz unterschiedlicher Menschen angewiesen. Mir gefällt das Kommunikative.» Der Designer lebt und arbeitet in Biel. Kein Kaff, sagt er, sondern die Mitte der Schweiz. Zumindest geografisch: «Man erreicht in etwa einer Stunde alle wichtigen deutschschweizer und welschen <Metropolen> ». Hauswirth möchte in seiner Arbeit das Handwerk weiterführen und neue Techniken entwickeln, um Materialien auf effizientere und direktere Weise zu verarbeiten. «Die Industrie hat meist nicht die Muse oder den Fokus für dahingehende Überlegungen», sagt er. Und: «Ich arbeite oft von Hand, da ich die Zuhilfenahme des Computers oft eher als Umweg denn als Vereinfachung sehe. Doch natürlich bin ich auch auf ihn angewiesen, zum Beispiel, um den Modellbau zu kontrollieren oder um Entwürfe zu spiegeln oder zu skalieren». www.florianhauswirth.ch

Für Gross und Klein
Es ist eine Ente und sie riecht wie frisch gebadet. «Durch die Oberflächenbehandlung mit Seife wird das Holz geschützt und Nachdunkeln verhindert.» Es ist nicht nur der Geruch – das ganze Objekt hat etwas Erfrischendes. «Woodsduck ist eine Schaukelente, die ich für die Galerie Helmrinderknecht entworfen habe. Sie ist den alten Schaukeltieren für Kinder nachempfunden.» Und die sind zum Teil ziemlich scheusslich. Zumindest in Erwachsenenaugen. Denn das Kind hat ja Eltern. Und in deren Wohnzimmer steht das Ding. Deshalb ist die Gestaltung von Schaukeltieren durchaus eine Aufgabe für jemanden, der die Sache etwas in grösserem Zusammenhang sieht als der kindergerecht-herzig-lustige Spielzeugdesigner: «Die Tierchen haben durchaus eine Wirkung auf die Raumstimmung und sollen als Möbel und Spielzeug funktionieren. Am Anfang meiner Arbeit stand ein kleines Modell aus Papierbändern. Danach habe ich mit Proportions- und Funktionsmodellen aus Karton den Entwurf gemacht. Ohne Computer. Wichtig war mir, dass die Leichtigkeit der Form und das Verhalten der Bänder sichtbar bleibt. Deshalb habe ich für die Ausarbeitung einheimisches Eschenholz gewählt, als Schälfurnier. Vier Holzlagen werden gewässert und miteinander zu einem Band verleimt, dann wird das Ganze mittels Schraubzwingen und Negativ- oder Pressformen in die richtige Form gebracht. Das Fertigungsverfahren, das Elemente vom Schiffs- und Instrumentenbau aufnimmt, ist ziemlich anspruchsvoll, aber spannend und lehrreich.»

AUTORIN: REBEKKA KIESEWETTER
FOTOS: ANNIK WETTER

DADI Daily
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