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NICOLAS LE MOIGNE - Lausanne

Sie kommen aus der Schweiz, der Slowakei, aus Frankreich, Belgien oder Schweden. Einige sind bereits international bekannt, andere machen sich gerade einen Namen. Manche treten kollektiv auf und wieder andere treiben ihre Karriere solo vorwärts. Alle aber haben etwas gemeinsam: Sie sind Designer und entwerfen als Reaktion auf die kommerzielle Übersättigung Objekte, die ihr Anliegen exakt auf den Punkt bringen, ganz nach dem Motto «weniger ist mehr». Diese neue Generation achtet auf eine sorgfältige und qualitativ hochwertige Produktion, indem sie handwerkliches Können und 100% schweizerische Herstellung bevorzugt. Wir haben zehn dieser jungen Talente besucht. Zehn Designer aus der deutschen und der französischen Schweiz, die uns mehr über ihre Projekte, ihre Inspirationsquellen, ihre Ideen und auch über die Schwierigkeit, diese umzusetzen, erzählen. /// Dieser Artikel wurde in DADI no1, März 2012 veröffentlicht.

Den Trash Cube von Nicolas Le Moigne konnte man letztes Jahr unmöglich übersehen. 2011 wurde der schwerste Hocker des zeitgenössischen Designs fast überall abgebildet und ausgestellt. Dieser clevere und verblüffende Kubus, der sich irgendwo zwischen industrieller Produktion und Sammlerstück (jeder Hocker ist ein Unikat) bewegt, aber für einen Freundschaftspreis zu haben ist, wird aus den Produktionsresten des von Eternit hergestellten Faserbetons gepresst.
Nicolas Le Moignes Lebensgeschichte wurde schon oft erzählt. Dass er zusammen mit seinem Vater in die Schweiz kam, als dieser die Schweizer Fecht-Nationalmannschaft für die Olympischen Spiele in Seoul trainieren sollte, sich selbst aber nicht fürs Fechten, sondern für eine Designausbildung entschied. Noch heute ist er in der Lausanner Designschmiede Ecal, wo er sein Studium absolviert hat, für die Produktion verantwortlich. Nicolas Le Moigne hat innerhalb kürzester Zeit mehrere dauerhafte gemeinschaftliche Projekte mit Unternehmen wie Eternit aufgebaut. Sein Stil? Eine Sinn für Kurven und eine puristische Ästhetik an der Grenze zum Minimalismus. «Ich gehe streng pragmatisch an die Gestaltung heran, recherchiere gern und suche nach Lösungen, wie sich die Objekte möglichst einfach produzieren lassen», erklärt der Designer sein Vorgehen. Ihm gelingt die Gratwanderung zwischen dem Entwurf von Gebrauchsgegenständen (im Rahmen des Ateliers Pfister produzierte Tische, Sessel und magnetische Kerzenständer) und Galeriestücken wie seine Kollektion Podium aus Metall, Holz, Keramik, Stein und mundgeblasenem Glas für die Berliner Galerie Helmrinderknecht oder seine Slip Lamp, der Libby Sellers in London eine Einzelausstellung gewidmet hat.
www.nicolaslemoigne.ch

Das Multi-Möbel
«2012 wird eines meiner Lieblingsprojekte fertig sein: UNIT für Dadadum, einen von Demian Conrad gegründeten jungen Design-Unternehmen. Dieses ebenso radikale wie grafische und technische Regalmodul gibt uns die Möglichkeit, mit einem einzigen Objekt verschiedene Funktionen zu erfüllen. Versehen mit einem Gestell und/oder Boden können die Module als Regal, Sideboard oder als Raumteiler dienen. So erstaunlich es auch klingen mag, wir haben darauf verzichtet, das Zubehör aus Holz zu fertigen, denn dies wäre deutlich teurer geworden als aus Metall!
UNIT beruht auf schweizerischem Know-how und lehnt sich an das einheimische kulturelle Erbe an, das von Marken wie Lehni, USM oder Wogg aufrechterhalten wird. Es wurde in Zusammenarbeit mit der auf Metallbeschichtungen von Möbeln und verschiedene Präzisionsbereiche spezialisierte Schweizer Firma Schätti entwickelt und produziert. Mein liebstes Detail: die sichtbaren Schrauben. Sie sind fein, aber bewusst gesetzt und sie betonen den technischen Aspekt des Produkts. Die Entwicklungsarbeit hat mehrere Monate in Anspruch genommen, war von Unsicherheiten und Zweifeln begleitet. Diese haben es uns schlussendlich aber ermöglicht, uns die nötige Zeit zu nehmen, um die entscheidenden Parameter des Projekts zu erkennen und uns auf das Wesentliche zu konzentrieren.»
www.dadadum.com

AUTOR: EMMANUEL GRANDJEAN
FOTOS: ANNIK WETTER

DADI Daily
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