Change und Chancen für Depot Basel

Wir befinden uns am Voltaplatz im Quartier St.Johann, wo sich seit einigen Jahren die junge Basler Kreativszene angesiedelt hat. Der Fahrtwind des Stadtverkehrs an der frequentierten Kreuzung zieht einem ins Gesicht. Hier ist was los. Zur Rechten steht in grossen Lettern «Cambio – Change – Wechsel» geschrieben. In das Lokal der ehemaligen Wechselstube ist letztes Jahr Depot Basel eingezogen. Das will keine Messe sein, kein Festival, kein Museum, kein Showroom, keine Galerie... «Wir möchten uns selber nicht mit strikten Absichtserklärungen fesseln. Dem nicht hierarchischen und in stetiger Veränderung begriffenen Gebilde lässt sich nicht mit starren Strukturen begegnen, sondern nur im Bemühen, als bewegliches Element im versatilen Ganzen zu agieren. Depot-Basel möchte deshalb möglichst unabhängig von etablierten institutionellen Strukturen bleiben, sich auf unbekanntes Terrain vorwagen. », so Rebekka Kiesewetter vom Team Depot Basel, dem auch Matylda Krzykowski, Laura Pregger, Elias Schäfer und Moritz Walther angehören.

Das Depot musste Ende 2012 aus den Räumlichkeiten auf dem Basler Erlenmatt-Areal ausziehen und nach neuen geeigneten Lokalen suchen, wurde aber – trotz erhaltenen Preisen (Basler Kultur Förderpreis 2012 und Swiss Design Award 2012) und Medienpräsenz – nicht auf Anhieb fündig. Jetzt, nach einer turbulenten und wechselhaften Zeit in freiem Fall, ist Depot Basel erneut angekommen in ebendiesem kleinen feinen Büro für Wechsel, welches Laura, Moritz, Matylda, Elias und Rebekka seit September 2013 für drei Jahre mit neuem Leben füllen können. Zuvor kam es zu zahlreichen Zwischenhalten, während der Art Basel zum Beispiel, als sie die Ausstellung «Handwerk & Zeichnung» in einer temporär genutzten Halle an der Ufersrasse am Hafen neben der Scope Fair zeigten. Eine Ausstellung, die auf internationaler Ebene fungierte und dreizehn Designer einlud, von ihnen konzipierte Objekte und intuitive Zeichnungen einander gegenüberzustellen. Diese kurze unbehauste Zeit bewies einmal mehr, dass Depot Basel nicht ortsgebunden ist, sondern als Idee existiert.

Das «Change» des ehemaligen Wechselbüros schwebt wie eine Verheissung über dem neuen Lokal des Depot Basels. Dieses so treffende englische «Change», das für ständigen Austausch und Veränderung steht. Und so lieh es auch der ersten Ausstellung, welche sich in die vielversprechenden Worte «Changes – Chancen» kleidete, seinen Klang und Inhalt. In der Ausstellung, welche auf eine Diskussion mit fünf Schweizer Gestaltern und eine Publikation aufgebaut war, wurden Fragen über das gegenwärtige Berufsfeld des Gestalters und dem interdependenten Wandel von Werten in der Gesellschaft, physischen Übergängen und dem Vererben von Materiellem und Ideologischem aufgeworfen und zum vertieftem und weiterführendem Nach- und Überdenken angeregt. Eine Situationsaufnahme der unterschiedlichen derzeitigen Visionen innerhalb dieses Berufsfeldes. Längst überfällige Fragen wurden gestellt, die sich auch nicht scheuten, um das Thema der Verantwortlichkeit zu zirkeln.
Die neue Kleinheit des Lokals passt den Machern sehr gut, nachdem sie sich auf dem riesigen Erlenmatt-Areal austoben und experimentieren konnten. «Wir wollten kleiner werden, um besser fokussieren zu können», sagt Laura Pregger. Auch ihr Wunsch nach mehr Sichtbarkeit und Zugänglichkeit hat sich gleichzeitig erfüllt in diesem frequentierten Viertel an zentraler Lage, wo sie zusätzlich ein gestaltungsferneres Publikum miteinbeziehen können. «Wir machen nicht Ausstellungen für jeden, aber wir schliessen auch niemanden aus», meint Rebekka Kiesewetter. Geplant sind vier Ausstellungen pro Jahr.

Das vom Szenografiebüro EMYL für den Raum massgezeichnete Modulsystem setzt gewisse Parameter. Damit gewinnt das Team die Zeit, mehr an Inhalten zu feilen als sich um die Form zu kümmern, in welche ihre Ausstellungen gegossen sind. Dies bringt neben Einschränkungen auch eine grosse Freiheit mit sich.
«Die Neulingsphase, in der wir frei experimentieren konnten, liegt hinter uns. Wir spüren die Erwartung einer gewissen Professionalität, da wir nun bekannter sind. Deshalb werden wir mit ernsterer Wahrnehmung organisieren und da kommt uns der kleinere Raum und das fixe Modulsystem gerade recht», sagt Moritz Walther.
Je kleiner und gefestigter der Rahmen hinsichtlich materieller Form geworden ist, umso freier wird Depot Basel in seinen Ideen, Austauschen und Inhalten bleiben; denn definieren lassen will es sich nach wie vor nicht. Damit bewahrt es sich die Aufmerksamkeit und Beweglichkeit, mit denen es auch in den kommenden drei Jahren immer wieder aktuelle Themen aufnehmen und als «neue Währung» in den Umlauf bringen kann.

Aktuelle Ausstellung:
«Okolo offline», 28.03 – 27.04.2014

AUTORIN: JOHANNA RICKENBACH

DADI Daily
Back to Top