Landschaften und Architektenfrde

nomad architectes

Jedes Gebäude hat einen Standort. Es ist immer in eine Landschaft eingesetzt, in der seine Dimensionen, sein Mass oder Übermass und seine künstlerische Integration zur Erscheinung kommen. Die Schweiz bietet auf geringem Raum eine ausserordentliche Vielfalt an Landschaften: Berge, Hochhäuser, durchstrukturierte Grossstädte, wilde Täler. Wir baten zehn Schweizer Architekturbüros, eine künstliche oder natürliche Landschaft zu wählen und sich durch sie darzustellen. Ihre Wahl reicht von der Areuse-Schlucht im Kanton Neuchâtel über das verlassene Industriegebiet des ehemaligen Hardturm-Stadions in Zürich zu einer zukünftigen Überbauung in Zug und zur Enge einer Raumstation. Die Architekten erklären, warum die Umgebung sie inspiriert und wie sie durch sie ihren Ausdruck finden. Der Naturforscher Alexander von Humboldt definierte die Landschaft als «die Physiognomie unserer Umgebung». Landschaft ist also alles, was uns umgibt. Und vor allem: Die Landschaft erzählt etwas über uns. /// Dieser Artikel wurde in DADI no3, September 2012 veröffentlicht.

«Man kann am Einkaufszentrum im Walliser Chablais verschiedene Probleme aufzeigen, mit denen wir in unserer Arbeit als Architekten täglich konfrontiert sind. Zuerst einmal den Verlust an Qualität zugunsten von Quantität, das heisst, man baut mehr, aber weniger gut, was den Regeln der Konsumgesellschaft entspricht. Die Zone zeugt auch von den Folgen der urbanen Entwicklung allgemein, mit der Bildung formloser Aussenquartiere um die Städte, wobei sich beide einen starken Konkurrenzkampf liefern. Dazu gehört auch die Abhängigkeit vom Auto, welche die Bodennutzung und damit unsere Lebensweise bestimmt. Und last, but not least der Verfallszyklus der Bauten. Nach den Industriebrachen (Giovanola-Hallen in Monthey) werden wir uns bald mit veralteten Einkaufszentren befassen müssen sowie mit abseits stehenden, wenig verdichteten Wohnzonen mit ihren mittelmässig gebauten Einfamilienhäusern aus dem Ende des 20. Jahrhunderts.
Die Lokalisation zwischen zwei Kantonen entspricht auch unserer Haltung als Nomaden der Architektur. Wir arbeiten im Kanton Waadt und im Wallis in sehr verschiedener Umgebung (See, Stadt, Land, Berge). Unsere Projekte sind inspiriert von der Landschaft, der geografischen Ausrichtung, den wirtschaftlichen und sozialen Gegebenheiten sowie dem unmittelbaren Umfeld.»




Das Büro

Die an der ETH Lausanne diplomierten Architekten Marie Gétaz und Lucien Barras arbeiten seit 2002 zusammen. 2006 eröffneten sie das Büro nomad architectes, in dem zurzeit neun Personen beschäftigt sind, davon vier Architekten und ein Geograf. Ausgeführte Projekte: Wohnhaus in La Tour-de-Peilz, Umbau des ehemaligen Kinos Richemont in Lausanne, Walliser Reb- und Weinmuseum in Siders, Kantonale Landwirtschaftsschule in Châteauneuf. In Vorbereitung: Restaurierung des Château de l'Aile in Vevey, Ausbau des Friedhofs La Planta in Sion.
Haltung und Vorgehensweise: «Durch seine breit gefächerten Aktivitäten entwickelt das Büro ein globales Architekturverständnis der gebauten Umgebung. Unsere Projekte stehen in einem sehr weiten Kontext. Unsere Bauweise ist stark mit ihrer Zeit, ihrem Umfeld und ihren Benutzern verbunden. Sie vereint Originalität, Authentizität und Modernität.»
www.nomadarchitectes.ch

AUTORIN: MIREILLE DESCOMBES
FOTO PORTRÄT: REGIS GOLAY

DADI Daily
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